'Dann kam der im wahrsten Sinne des Wortes berauschende Teil des Abends. Die bezaubernde Pianistin Martina Filjak, inzwischen auch weltweit gefragt, begeisterte mit ihrer Art und ihrem unglaublich hohen Potenzial an Ausdruckskraft und dynamischer Variabilität in Sachen musikalischer Interpretation beim Chopins f-Moll-Konzert. Die glitzernden Passagen und Terzketten kamen silbrig glänzend im Maestoso. Wunderbar gestaltete sie in bester Homogenität mit dem Orchester die reizvollen Umspielungen und Verzierungen der schwelgerischen Melodie im Larghetto und traf ins Innerste der Chopin’schen Klangwelten. Die dramatische Leidenschaftlichkeit im Klavierpart, wobei sich die Solistin über dem Tremolo des Orchesters zu entfalten hat, hätte nicht schöner und ausdrucksstärker kommen können. Im Allegro vivace faszinierte sie vermöge glanzvoller Technik und musikalischer Sensibilität. So mündete dieses virtuose Walzerrondo, in seiner rastlosen Beweglichkeit einem Perpetuum mobile gleichend, in den nicht enden wollenden Beifall des Publikums.'
'...man kam kaum mehr aus dem Staunen heraus angesichts der Klangfülle, fulminanten Akkordik und der vielstimmigen Melodieführung... Balakirevs "Islamej" war in seiner Anforderung wie Ausführung durch Martina Filjak in jedem Fall spektakulär und technisch atemberaubend...'
Diese Auftritte enthüllten uns eine Musikerin von außergewöhnlicher Kultiviertheit, Disziplin und Persönlichkeit, die ein starkes Verständnis für verschiedene Stile besitzt... Sie vermittelte die sichere Sensibilität einer wahren Siegerin mit Lyrik und Leidenschaft.
Weniger die große virtuose Pranke als der Sinn für fließende Phrasen zeichnete ihre Interpretation aus, wohl dosiert und intelligent auf die Höhepunkte hinzielend... Sinn für sensible Abstufungen und natürlichen musikalischen Fluss. Ein eindrucksvolles Debüt!
(Über Rachmaninoff's Klavierkonzert No 2) Filjak sprang wie eine Tigerin über die wagemutigen Passagen die sie mit einer ausgelassenen Vehemenz verzehrte, das feine Material der Fuge jedoch sie mit der Grazie eines Kätzchens ziselierte.
'Martina Filjak (...) verströmt künstlerische Finesse, Disziplin und Kraft... Eine abenteuerliche Musikerin mit außergewöhnlicher Beherrschung der Möglichkeiten auf der Tastatur... mit kompromissloser Aufmerksamkeit für Atmosphäre und Detail, sondierte sie die impressionistischen Wirbel in den drei Sätzen der 6 Zugaben Berios.
(Über Beethoven's 'Hammerklavier Sonate') Filjak verlieh dem Werk einen geselligen Anstrich, in dem technische und expressive Facetten zu einem voluminösen Bild verschmolzen. Ihr Spiel war edel und kräftig zugleich, mit einem Verständnis für Details wie einer unerschrockenen Auslotung der Extreme in Beethovens Werk.
In Ihrem Semifinal-Konzert spielte Filjak eine atemberaubende Interpretation von Beethovens 'Hammerklavier – Sonate', die sauber artikuliert war, mit einem süsslichen Ton, aber dennoch mit einem soliden Anschlag des Beethoven'schen Idioms, während die Interpretation auch den freien Geist und originelle Aussagen über die Musik einschloss.
Früher spielte Martina Filjak die fünf stücke, die Bartoks bezaubernden Zyklus 'Im Freien' beinhalten... von dieesn Stücken war besonders das spektrale 'Klänge der Nacht' bewegend, als ob es von einer plötzlichen Erscheinung eines gequälten Geustes gezeichnet wäre.
Dafür scheint der Klavierpart umso mehr hervor und bietet Martina Filjak viel Gelegenheit ihr stupendes Talent und Können zu zeigen. Abwechselnd zart und hart im Anschlag, überaus geläufig im legato und staccato, brillant in den Verzierungen, temperamentvoll in den Kadenzen erweist sich die junge Kroatin als Tastenlöwin ersten Rangs. Die stehenden Ovationen werden von Martina Filjak mit dem extrem anspruchsvollen, großartig gespielten Nocturne op.9 Nr.2 für die linke Hand von Alexander Skrjabin belohnt.
Für Tschaikowskys 1. Klavierkonzert in b-moll konnte Martina Filjak verpflichtet werden. Was das Publikum im Nikolaisaal zu hören bekam, war durchgängig virtuos, ein musikalisches Feuerwerk, das nicht nur auf den dritten Satz 'Allegro confuoco' beschränkt blieb.
Zumal die Kroatin Martina Filjak zum Finale dieses Klaviermarathons zeigt, wie es gehen kann. Was sie in Luciano Berios Wasserklavier an intimer Filigranarbeit andeutet – manchmal so, als sei es Sünde die Tasten zu berühren – das verschmilzt in Beethovens Hammerklaviersonate mit der geforderten Radikalität. Im Zentrum das Adagio – bei Filiak andächtig, fast sakral und voll subtiler Bewegtheit.
Die Solistin demonstrierte den staunenden Zuhörern aber nicht nur eindrucksvoll die absolut sichere Beherrschung aller Zauberkniffe aus der Hexenküche des Klavier-Breviers, sondern zeigte darüber hinaus, dass sie längst die nötige Reife besitzt, um eines der letzte Werke Beethovens in seiner biografischen Verwobenheit und seinem interpretatorischen Tiefgang überzeugend auszuloten.